Schauschnitzen einer Figurenbeute

VHS-Sonderprojekt "Die Stadt, der Garten und die Kunst"

Die Künstlerin Birgit Jönsson in Aktion

Am 12. Mai 2002 wurde im Botanischen Garten eine Figurenbeute in Gestalt von Luise Rückert mit zwei ihrer Kinder feierlich eingeweiht. Von Februar bis April 2002 konnte man der Holzbildhauerin Birgit Jönsson beim Schnitzen zuschauen. Die Figurenbeute ist ein Kunstprojekt im Rahmen des VHS-Sonderprojekts "Die Stadt, der Garten und die Kunst", ein Beitrag der Volkshochschule zum 1000jährigen Jubiläum.

Bei schönem Wetter arbeitete Birgit Jönsson auf dem Parkplatz im Betriebshof des Botanischen Gartens. Bis zur "Nacht der Sinne" am 8.6.2002, wenn der Botanische Garten durch weitere vielfältige phantasievolle Angebote der VHS-Kunstkursleiter/innen in einen gARTen der Sinne verwandelt wird, sollte auch die Skulptur fertig sein. Und die Figurenbeute wurde rechtzeitig fertig und steht jetzt - mit Bienen bestückt - im Arzneigarten des Botanischen Gartens.

Was ist eine Figurenbeute?

Beute ist in der Imkersprache der Fachausdruck für Bienenstock:

"In der Blütezeit der Imkerei im 14. und 15. Jahrhundert begriffen die Zeidler, wie mühsam es war, Bienenvölker in hohlen Baumstämmen in waghalsiger Höhe zu betreuen. Also begannen sie, die Bienenvölker auszuschneiden und diese Baumklötze dann am Boden aufzustellen. In Schwaben, im Sudetenland, aber auch im norddeutschen Raum wurden diese sogenannten "Klotzbeuten" vielfach noch künstlerisch gestaltet, als Figuren, Tierköpfe oder Fabelwesen."

Nürnberger Zeitung, Juli 1996, anlässlich der Einweihung einer von Birgit Jönsson geschnitzten Figurenbeute (ein Bär) im Nürnberger Tiergarten

Vom Eichenstamm zur Holzskulptur

Figurenbeuten von Birgit Jönsson

Birgit Jönsson hat Philosophie studiert und machte nebenher praktische Übungen bei dem Kunstmaler und Restaurator Antonio Angel an der Residenz München. In Oberammergau absolvierte sie eine dreijährige Lehre für Holzbildhauerei und Schnitzen. Dort kam sie auf die Idee, den Bienen originelle Wohn- und Arbeitsräume zu schaffen. 

Sie hat schon viele unterschiedliche Figuren gestaltet. Sehr sorgfältig wählt sie dabei das Bienenflugloch aus, durch das die Biene ein- und ausfliegt. Zum 250. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe fertigte sie für das Deutsche Bienenmuseum in Weimar eine Figurenbeute mit seinem Konterfei. Das Flugloch befindet sich beim Goetheschen Bienenstock sinnigerweise in der Stirn des Dichters und Denkers.

Luise Rückert als Modell für die Erlanger Figurenbeute

Das Modell für die Figurenbeute im Erlanger Jubiläumsjahr bildet Luise Rückert. "Eine Frau, die" - wie Birke Grießhammer kritisch beschreibt - "mehr als fraulich-liebenswert und tüchtig, wenn nicht - aus Männersicht - gar noch "bienenfleißig" war. Eine Frau, die sich in ihrem zehrenden Alltag aufopferte und selbst zu Lebzeiten im Schatten ihres berühmten Mannes Friedrich Rückert stand."

Luise und Friedrich Rückert lebten von 1826 bis 1841 in Erlangen, davon von 1830 - 1837 im Egloffstein'schen Palais im Flügel zur südlichen Stadtmauerstraße. In dieser Zeit starben zwei ihrer jüngsten Kinder, Ernst und Luise, 1833 an einer Scharlachepidemie. "Den Tod beider Kinder hat Luise Rückert ausführlich in ihrem Tagebuch beschrieben. Auch der Vater, Friedrich Rückert, litt unsäglich am grausamen Tod dieser beiden Jüngsten. Als Dichter verarbeitete er den Schmerz in fast 500 "Kindertotenliedern".

(aus "Luise Rückert, geb. Wiethaus-Fischer, Mein guter Geist, mein bessres Ich", von Ingeborg Forssmann, Würzburg 1997)

Figurenbeute im Arzneigarten


Letzte Änderung: 7.6.2003