Mistelausstellung
Die Mistel - Mehr als nur
weihnachtliches Glückssymbol
Im Gewächshauseingang war vom
26.
Dezember 2001 bis 3. Februar 2002
eine Ausstellung mit dem Titel
"Vom Zauber der Mistel ..."
zu sehen.
Die Ausstellung war täglich von 9.30 bis 15.00 Uhr
geöffnet und zeigte Interessantes, Schönes und Wissenswertes
rund um die Mistel - von der Misteltherapie über die Mistel
in der Literatur bis hin zum Zaubertrank bei Asterix &
Obelix.
In Deutschland haben einige Bundesländer die
Mistel unter Naturschutz gestellt. Der BUND rät deshalb, zu
Weihnachten keine Mistelzweige über den Hauseingang zu hängen.
Mehr dazu lesen Sie hier.
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Botanisches
Die Mistel gehört hinsichtlich der
Lebensweise zu den parasitischen Blütenpflanzen. Parasitische
Blütenpflanzen gibt es nur in wenigen Verwandtschaftskreisen.
Sie fehlen bei den Nacktsamern und den Einkeimblättrigen
ganz, bei den zweikeimblättrigen Blütenpflanzen sind sie auf
die Sandelholzartigen und Röhrenblütigen (Tubiflora)
konzentriert.
Die Mistel - Viscum album - gehört zur
Familie Viscaceae in der Ordnung der Sandelholzartigen.
Als weitere bekannte halbparasitische Vertreter gehören
dieser Ordnung an: Loranthus europaeus (Riemenblume
oder Eichenmistel), ein sommergrüner, etwa halbmeterhoher
Strauch der Eichenmischwälder des südöstlichen Europa, und
die Wacholdermistel Arceuthobium oxycedrus
(Südeuropa).
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Das Verbreitungsgebiet der Mistel selbst
umfaßt Südskandinavien, Mittel- und Südengland, südl. bis
NW-Afrika, östlich bis SW- und Zentralasien bis in die
Mandschurei und Japan.
Innerhalb der Art Viscum album
unterscheidet man nach der Wirtsspezifität 3 Unterarten:
Viscum album ssp. album - Laubholzmistel
Viscum album ssp. abietis - Tannenmistel, nur auf Tanne
Viscum album ssp austriacum (V. laxum) - Kiefernmistel,
mit kleineren, gelblichen Beeren.
Die aktuelle Verbreitung ist außer von
klimatischen Grenzen (Winterkälte) sehr von der Verbreitung
der Wirtsbäume abhängig, wobei nach neueren Beobachtungen in
Gebieten mit starken Waldschäden eine starke Zunahme des
Mistelbefalles zu beobachten ist, so besonders in den letzten
20 Jahren bei der Weißtanne. Bei dem Wirtsbaum vermindert die
Mistel die Vitalität und den Ertrag und kann zum vorzeitigen
Absterben führen.
Auch bei den Laubgehölzen sind es bestimmte
Arten, die von Misteln befallen werden:
häufig: Apfel, Pappel, Linde, Weide, Vogelbeere, Birke
selten: Eiche, Esche, Hainbuche, Birne, Kirsche
mistelfrei: Rotbuche, Faulbaum, Traubenkirsche, Walnuß, Ulme,
Holunder.
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Die Kiefernmistel kommt neben der Föhre auf
anderen zweinadeligen Kiefern (Latsche, Schwarzkiefer),
seltener auf Fichte vor. Verbreitet werden die Früchte der
Mistel meist durch Vögel, entweder durch Ausscheiden der
gefressenen Samen oder indem sie am Gefieder oder Schnabel
haften und auf anderen Ästen Halt finden.
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Die Mistel in der bildenden Kunst
Als Motiv erscheint die Mistel meist in der angewandten
Kunst, wenig in der Malerei. Die große Zeit der Misteldekore
im europäischen Kunsthandwerk ist die Phase des Jugendstiles.
Dieser überdeckte den vorher herrschenden Historismus mit
neuen Prinzipien, vor allem Linie und Fläche betonende
Ornamentik wurde gebraucht.
Zur Erneuerung der Motive bediente man sich in Deutschland
besonders der Naturbeobachtung. Daß gerade die Mistel in ganz
Europa als Ornament häufig gebraucht wird, hängt sicher mit
der Neubelebung der mythischen und legendären Bedeutung
dieser Pflanze zusammen, für die man in dieser Zeit sehr
aufgeschlossen war.
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Die Mistel in der Mythologie und dem Brauchtum
Wegen ihrer eigentümlichen Lebensweise gehört die Mistel
seit frühesten Zeiten zu den viel beachteten Gewächsen - der
Ausdruck Wundermistel weist auf ihre heilenden, abwehrenden,
bannenden oder glückbringenden Eigenschaften hin, die man ihr
nachsagte. Aber nicht immer soll sie das Geschehen positiv
beeinflussen.
Im Naturmythos der Kelten und Germanen kommt ihnen eine
zentrale Bedeutung zu, so auch in der jüngeren Edda-Sage, wo
sie eine unheilvolle Entwicklung einleitet.
Nach Plinius galt die Mistel auch als Abwehrschutz gegen
böse Geister. Man hängte sie in Haus und Stall und steckte
sie auch gegen Blitzgefahr unter das Dach. So findet sich auch
in den altgermanischen Siedlungsgebieten Norddeutschlands an
Giebeln alter Bauernhöfe der sog. "Donner- oder
Hexenbesen", wie die Mistel im Volksmund bezeichnet
wurde. Auch hier steht das Motiv in der Überlieferung des
alten Abwehrzaubers.
Prähistorische Siedlungsfunde weisen die Mistel seit dem
5. Jh. v. Chr. in Europa bis nach Skandinavien nach.
Um ihre Wirksamkeit zu behalten, mußte sie mit einem Pfeil
abgeschossen oder mit Steinen heruntergeworfen und mit der
linken Hand oder einem Mantel aufgefangen werden, ohne die
Erde berührt zu haben.
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Die heidnische Verehrung der Mistel im Jahreslauf deckte sich
auch mit den christlichen Feiern der Weihnachts- und
Neujahrszeit. Als "immergrünes" pflanzliches Symbol
der Wintersonnenwende und des Jahreswechsels ist sie sehr viel
älter als der Tannenzweig und Tannenbaum, deren Vorkommen zu
Weihnachten sich erst seit dem 16. bzw. 18. Jh. nachweisen
läßt und im 19. Jh. durchzusetzen begann.
Zusammen mit den Tannenzweigen fällt die Mistel im Elsaß
seit dem 16. Jh. auch mancherorts unter das hauptsächlich
kirchliche Verbot "dannwedel und mistelzweig" zur
Weihnachtszeit anzuheften. Wie vom Elsaß aus der geschmückte
Christbaum zur Weihnachtszeit in Frankreich, England, ja, in
aller Welt seinen Einzug hält, so läßt sich dies umgekehrt
für die Mistel feststellen, die in jüngerer Zeit von
Frankreich, England und Skandinavien aus nach Deutschland, in
andere europäische Länder und bis Amerika vorgedrungen ist.
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Die Mistel in alten Kräuterbüchern und als Heilpflanze
Als Heilpflanze hat die Mistel eine lange Tradition. So
empfiehlt sie bereits der griechische Arzt Hippokrates (460
377 v. Chr.) gegen Milzsucht, auch Theophrastos (371 - 285 v.
Chr.) und Plinius erwähnen sie.
Während des ganzen Mittelalters galt die Mistel vor allem
als heilkräftig gegen Epilepsie. Vom Mittelalter bis ins 18.
Jh. fehlte die Mistel als Heilmittel gegen die verschiedensten
Krankheiten in keinem der bekannten Kräuterbücher.
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Heutige arzneiliche Verwendung
In Deutschland gibt es zahlreiche Fertigarzneien mit
Mistel, die bei Bluthochdruck, Altersbeschwerden und
Arteriosklerose eingesetzt werden. Sie sind dabei durchweg mit
anderen Drogenauszügen kombiniert.
Misteltee wird, besonders in der Volksmedizin, bei
Schwindelanfällen und Gelenkerkrankungen verwendet.
In der Homöopathie soll eine Mistel-Therapie folgende
Wirkungen zeigen: Auf das Zentrale Nervensystem, z. B. bei
Melancholie, auf das Gefäßsystem, Wirkung auf Muskeln,
Gelenke und periphere Nerven.
Auf Anregung von R. Steiner (1920) finden in der
anthroposophisch orientierten Medizin einige unterschiedliche
Mistelpräparate Verwendung in der Tumortherapie.
Klinische Untersuchungen der Wirksamkeit dieser Medikamente
wurden seit Jahren durchgeführt, es fehlen noch
molekularbiologische Bewertungen der verschiedenen, biologisch
aktiven Komponenten wie Viscotoxine, Lektine, Alkaloide,
Polysaccharide u. a.
Aus "Mistel", A II. Arzneiliche Verwendung, 1986,
Wiss. Verlagsges. Stuttgart.
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Fotos: Gerd Arnold |
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Der Bund für
Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) rät:
Mistelzweige über den Hauseingang zu hängen, ist eine alte
heidnische Tradition, die böse Hexen und Geister abwehren soll.
Die Tradition besagt auch, dass jeder, der unter einem
Mistelzweig steht, geküsst werden darf. Küssen ist allerdings
auch ohne Mistelzweig möglich. Der Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland rät, zum Schutz der Pflanze auf
den Brauch zu verzichten und keine Mistelzweige aufzuhängen.
Da Mistelzweige hauptsächlich in der Weihnachtszeit
nachgefragt werden, lohnt sich der kommerzielle Anbau nicht.
Nach Angaben des BUND führt dies dazu, dass die Bestände in
der freien Natur ausgebeutet werden. Die negative Folge dieser
alten Tradition ist die Gefährdung der Pflanzenart.
In Deutschland haben einige Bundesländer bereits darauf
reagiert und die Mistel unter Naturschutz gestellt. Weil die
Pflanze bisher aber nicht international geschützt ist, werden
die Mistelzweige vor allem aus Billiglohnländern eingeführt.
Ein europaweiter Rückgang ist die Folge, vor allem auch
deswegen, weil die Pflanze sehr langsam wächst: Eine Mistel von
50 Zentimetern Durchmesser hat bereits ein Alter von 30 Jahren.
Die Mistel hat eine lange Tradition als anerkannte Heilpflanze
und ist auch aus diesem Grund erhaltenswert. Tee aus Mistelblättern
kann beispielsweise blutdrucksenkend sein. Zudem bietet die
Mistel in der Winterzeit eine wertvolle Nahrungsquelle für Vögel.
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